Informationen
und Pressemitteilungen aus dem Projekt
Familie und Gewalt: Menschen würdig erziehen!
| Inhalt: | 1. Informationen |
| 2. Pressemitteilungen |
Fachtagung zur Frage der Auswirkungen des "Rechtes auf gewaltfreie Erziehung" in Familien- und Jugendhilfe am 12./13. Juni 2001
"Zwischen Prävention und Intervention" lautet der Titel der zweiten Fachtagung des Projektes, die am 12./13. Juni 2001 in der Hildesheimer Volkshochschule stattfindet. Die Tagung befasst sich mit Fragen der Auswirkungen des "Rechtes auf gewaltfreie Erziehung" in Familien- und Jugendhilfe. Sie richtet sich an Verantwortliche in Weiterbildungseinrichtungen, Verbänden und Jugendämtern, an Mitarbeiter/-innen in Einrichtungen der Familien- und Jugendhilfe sowie an Studierende der Sozialpädagogik und Sozialarbeit. Nähere Informationen zu der Fachtagung und ein Anmeldeformular finden Sie unter der Rubrik "Veranstaltungen".
Fachtagung zu Fragen der gewaltfreien Erziehung in der Tagespflege am 8./9. Mai 2001
Die Volkshochschule Neustadt an der Weinstraße e.V. führt am 8./9. Mai 2001 für alle an der Tagespflege und ihrer Förderung Interessierten eine bundesweit ausgeschriebene Fachtagung zum Thema "Gewaltfreie Erziehung in der Tagespflege" durch. Nähere Informationen finden Sie unter der Rubrik "Veranstaltungen".
Dokumentation zur Fachtagung "Gewaltfreie Erziehung": Zu Theorie und Praxis eines pädagogischen Leitbildes vom 24./25. Oktober 2000 in Neu-Anspach im Internet veröffentlicht
Mit der Frage nach der Bedeutung
von Gewaltfreiheit in der Erziehung und nach Möglichkeiten und Grenzen
eines pädagogischen Leitbildes "gewaltfreie Erziehung" hat sich
eine Fachtagung des Projektes am 24./25. Oktober 2000 in Neu-Anspach beschäftigt.
Die Referate dieser Fachtagung sowie ein kurzer Bericht über deren Ergebnisse
sind nun in der Projekthomepage unter der Rubrik "Dokumentation"
veröffentlicht.
| 27.10.2000 | Leitbild "Gewaltfreie Erziehung" in der Diskussion |
| 03.03.2000 | Menschenwürdige
Erziehung als Thema der politischen Bildung: Trägerübergreifendes Projekt erfolgreich gestartet |
| 29.10.1999 | Gewalt in der Familie - ein Thema für die politischen Bildung |
27.
Oktober 2000
Leitbild "Gewaltfreie Erziehung" in der Diskussion
In einer bundesweiten Kampagne fordert die Bundesregierung zu Recht "Mehr Respekt vor Kindern". Doch wie lässt sich das von ihr gesetzlich festgeschriebene "Recht auf gewaltfreie Erziehung" (§ 1631 BGB) in der Praxis umsetzen? Was ist sinnvollerweise unter "gewaltfreier Erziehung" zu verstehen, und mit welchen gesellschaftlichen Realitäten wird dieses Leitbild konfrontiert? Mit diesen Fragen befasste sich die erste von drei Fachtagungen im trägerübergreifenden Projekt 18 "Familie und Gewalt: Menschen würdig erziehen!", die die AKSB als Projektträger in Kooperation mit der Bildungsstätte Alte Schule Anspach am 24./25. Oktober 2000 veranstaltete.
Die Fähigkeit, sozial verträglich mit den eigenen Aggressionen umzugehen, stellte der Darmstädter Pädagoge Prof. Manfred Gerspach als das eigentliche Ziel von "gewaltfreier Erziehung" dar. Als entscheidend für die Ausbildung dieser Fähigkeit sieht er die ersten drei Lebensjahre des Kindes, in denen Eltern dem Kind vertrauensvolle Beziehungsräume eröffnen müssten. In der "strukturellen Gewalt" einer kommerzialisierten Gesellschaft, die den Mensch immer mehr zur Ware mache, erblickt er ein wesentliches Hindernis für das Gelingen einer solchen Erziehung.
Zur Frage nach gewaltfördernden kulturellen Einflüssen in Migrantenfamilien legte die Deutsch-Ägypterin Dr. Daoud-Harms aus Frankfurt a.M. überraschende Thesen vor, die sie aus ihrer Beratungstätigkeit mit auffälligen Schülern aus Migrantenfamilien beim Pädagogischen Institut Frankfurt a.M. gewonnen hat. Sie bestritt die weit verbreitete These, dass die Ausübung von Gewalt durch Männer in Migrantenfamilien kulturell bedingt sei. Statt dessen betonte sie, dass migrationsspezifische innerfamiliäre Konflikte und die Isolation ausländischer Familien die Gewaltbereitschaft erhöhten. Allerdings räumte sie in der Diskussion ein, dass ein kulturell beeinflusster, stark ausgeprägter Patriarchalismus diese Konflikte verschärfe. In einer guten Bildung sieht sie das beste Mittel zur Überwindung patriarchaler Haltungen.
Mit dem Einfluss von Geschlechterrollen auf Erziehungsleitbilder und Erziehungshandeln befasste sich die Frankfurter Pädagogin Dr. Barbara Rendtorff. Sie wies auf die entwicklungspsychologisch grundlegend unterschiedlichen Erfahrungen in der Entwicklung der Geschlechtlichkeit bei Jungen und Mädchen hin. In der stärkeren Gefährdung der psychosexuellen Position von Jungen/Männern sieht sie eine wichtige Ursache für deren erhöhte Aggressivität. Ähnlich wie Prof. Gerspach unterstrich sie die Bedeutung eines unzerstörbaren Beziehungsrahmens in der Erziehung, der das Austragen von inneren Widersprüchen ermögliche. Im Blick auf gesellschaftlich geprägte Rollenmuster beklagte Frau Rendtorff, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie heute viel zu sehr als ein persönliches Problem der betroffenen Frauen angesehen werde. Ein neuer Diskurs sei erforderlich, der dieses Problem als eine gesellschaftliche Aufgabe angehe.
Vor allzu hohen Erwartungen an die Leistungsfähigkeit von Bildung bei der Veränderung von Erziehungsverhalten von Eltern warnte der Darmstädter Sozialpädagoge Prof. Dr. Achim Schröder. Bildungsarbeit müsse bei Erfahrungen der Teilnehmenden ansetzen, um dann Reflexionsprozesse anzuregen. Die Methode des Szenischen Spieles nach Ingo Scheller eigne sich besonders gut zur Anregung solcher Prozesse. Gesellschaftliche Aspekte des Themas Gewalt in der Erziehung würden dabei in der Regel selbstverständlich in die Analyse einbezogen.
In der abschließenden Diskussion bemerkten die Referierenden übereinstimmend, dass die Anregung für ein Umdenken im Erziehungsverhalten der Bevölkerung nicht unter dem irreführenden Titel "gewaltfreie Erziehung" erfolgen sollten, da dieses Schlagwort moralisierend wirke und falsche Erwartungen wecke. Statt dessen sollte verstärkt bei konfliktlösungsorientierten Konzepten der Friedenserziehung angesetzt werden.
3.
März 2000
Menschenwürdige Erziehung als Thema der politischen Bildung:
Trägerübergreifendes Projekt erfolgreich gestartet
Am 1./2. März 2000 startete unter Leitung der Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke (AKSB) das neue trägerübergreifende Projekt "Familie und Gewalt: Menschen würdig erziehen!". Zehn Bildungseinrichtungen aus den Reihen der AKSB, des Arbeitskreises deutscher Bildungsstätten (AdB), des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV) und des Verbandes Ländlicher Heimvolkshochschulen Deutschlands (HVHS) werden gut zweieinhalb Jahre zusammenarbeiten, um gemeinsam innovative Seminare und Bausteine der politischen Bildung zum Thema "Familie und Gewalt" zu entwickeln und zu evaluieren.
Das Bewusstsein für die Bedeutung und die
Rahmenbedingungen
menschenwürdiger Erziehung stärken
Die Idee zu diesem Projekt hat die AKSB im Sommer des vergangenen Jahres entwickelt.
Auslöser war der Gesetzesentwurf der Regierungsfraktionen im Bundestag zur Ächtung von
Gewalt in der Erziehung. Durch politische Bildung sollte bei Eltern,
Erziehungsberechtigten und Verantwortlichen in Gesellschaft und Staat das Bewusstsein für
die gesellschaftliche Bedeutung und die Rahmenbedingungen von Erziehung gestärkt werden,
die die Persönlichkeitsrechte junger Menschen und ihre Würde achtet und ihre Entwicklung
in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft fördert.
Auf einer Fachtagung vom 27. Oktober 1999 hat die AKSB ihre Idee interessierten
Mitgliedsinstitutionen aus dem Kreis des Bundesausschusses für Politische Bildung (BAP)
zur Diskussion gestellt. Auf der Grundlage dieser Fachtagung wurde die Konzeption des
Projektes ausgearbeitet.
Projektziele
Durch die gemeinsame Entwicklung und Evaluation von Veranstaltungen mit verschiedenen
Zielgruppen und in Einrichtungen mit unterschiedlichen Arbeitsformen und
Wertorientierungen sollen geeignete Themenstellungen und Marketingstrategien für die
Gewinnung von Teilnehmenden gefunden und didaktische Arrangements entwickelt werden, die
zu nachhaltigen Lernprozessen führen.
Die Teilnehmenden sollen erkennen, dass gewaltbelastete Erziehungsstile sich nicht mit den
Grundwerten einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft vertragen. Die Seminare und
Kurse thematisieren aber auch die strukturellen Rahmenbedingungen von Gesellschaft und
Staat, die der Eindämmung von körperlichen und seelischen Misshandlungen in den Familien
hinderlich oder förderlich sind, und zeigen Wege auf, wie diese Bedingungen durch eigenes
Engagement verändert werden können.
In Expertisen sollen Fachwissenschaftler/-innen grundlegende Fragen im Projekt wie etwa
die Entwicklung einer in der pädagogischen Praxis handhabbaren Be-
griffsdefinition von "gewaltfreier Erziehung" klären.
Homepage, Expertisen und Fachtagungen
Durch Fachtagungen, die von den am Projekt beteiligten Institutionen veranstaltet
werden, und durch die projekteigene Homepage "www.aksb.de/familie-und-gewalt"
werden Einrichtungen der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung über das
Projekt hinaus angeregt, sich mit dem Thema "Familie und Gewalt" auseinander
zu setzen.
Am 1./2. März 2000 wurden in der ersten Projektgruppensitzung die organisatorischen,
strukturellen und inhaltlichen Grundlagen des Projektes gelegt. Nach einer Vorbereitungsphase
sollen in der zweiten Jahreshälfte 2000 die ersten Kurse im Projekt laufen.
Eine erste Fachtagung ist für Ende Oktober / Anfang November 2000 geplant. Die
Erprobungsphase für Kurse im Projekt endet Anfang 2002. Die Expertisen und die
Ergebnisse des Projektes sollen in Veröffentlichungen dokumentiert werden.
Das Projekt wird von Lukas Rölli, Referent in der AKSB-Geschäftsstelle, geleitet.
Von der AKSB beteiligen sich die Arbeitsgemeinschaft Sozialinstitute der KAB,
das Franziskanische Bildungswerk Großkrotzenburg, das Ludwig-Windthorst-Haus
in Lingen und die Überregionale Frankfurter Sozialschule an dem Projekt, vom
Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten (AdB) die Bildungsstätte Alte Schule
Anspach und der Verein für Jugend- und Kulturarbeit im Kreis Segeberg, vom Deutschen
Volkshochschul-Verband (DVV) die Volkshochschulen Hildesheim, Neustadt und Wilhelmshaven
sowie vom Verband Ländlicher Heimvolkshochschulen (HVHS) die Katholische Landvolkshochschule
Feuerstein.
29.
Oktober 1999
Gewalt
in der Familie - ein Thema für die politischen Bildung
Politische Bildung kann einen sinnvollen Beitrag
dazu leisten, dass in unserer Gesellschaft das Bewusstsein für die Bedeutung
einer Erziehung gestärkt wird, die die Persönlichkeitsrechte junger Menschen
und ihre Würde achtet und ihre Entwicklung in einer auf Teilhabe, Verantwortung
und Solidarität angelegten demokratischen Gesellschaft fördert. Zu diesem Ergebnis
kam eine vom BMFSFJ geförderte, trägerübergreifende Fachtagung zum Thema "Gewaltfreie
Erziehung: Eine Herausforderung für die politische Bildung", zu der die
Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke (AKSB) am 27. Oktober
1999 nach Bonn eingeladen hatte. 34 Vertreter/-innen von Mitgliedseinrichtungen
des Arbeitskreises deutscher Bildungsstätten (AdB), der AKSB, des Deutschen
Volkshochschul-Verbandes und des Verbandes der Ländlichen Heimvolkshochschulen
Deutschlands beteiligten sich an dem Meinungsaustausch.
Im Juni 1999 hatten die Fraktionen der Regierungsparteien im Bundestag einen
Gesetzesentwurf zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung eingebracht, der im
Bürgerlichen Gesetzbuch ein "Recht auf gewaltfreie Erziehung" für
Kinder verankern will (BT-Drucksache 14/1247). Bereits bei der ersten Beratung
des umstrittenen Gesetzesentwurfes wurde von allen Seiten darauf hingewiesen,
dass - unabhängig von der Beurteilung der Gesetzesreform - in der Bevölkerung
ein Diskussions- und Bewusstseinsbildungsprozess für die Bedeutung einer Erziehung
ohne Anwendung von körperlicher oder seelischer Gewalt in Gang gebracht werden
müsse.
Ausgehend von den positiven Erfahrungen im Umgang mit dem Thema Werte und Gewalt
in der politischen Bildung wollte die AKSB mit der Fachtagung Träger aus unterschiedlichen
Arbeitszusammenhängen (Akademien, Bildungseinrichtungen, Volks- und Heimvolkshochschulen
und Verbände) dazu anregen, das Thema "gewaltfreie Erziehung" in ihren
Angeboten der politischen Bildung aufzugreifen.
Die Teilnehmenden der Fachtagung waren sich einig, dass das Ziel, die Anwendung
von Gewalt als Erziehungsmittel zurückzudrängen, gesellschaftlich und politisch
relevant sei. Voraussetzung für einen sinnvollen Umgang mit dem Thema sei eine
pädagogisch und gesellschaftspolitisch handhabbare Definition der Begriffe "Gewalt
in der Erziehung" und "gewaltfreie Erziehung". Vor der Gefahr,
die von unscharfen Begrifflichkeiten ausgehen kann, warnte der Familienrechtler
Prof. Dr. Holzhauer aus Münster in einem Expertengespräch eindringlich. Für
die Behandlung des Themas in der politischen Bildung wurde auf die Bedeutung
zielgruppenspezifischer Ansätze hingewiesen; neben Eltern, Jugendlichen, Familien,
Erzieher/-innen und Pädagog/-innen, haupt- und ehrenamtlichen Verantwortlichen
in der Familien- und Jugendhilfe wurden als eine besondere Gruppe beispielsweise
die Spätaussiedler genannt. Wichtig für die Ansprache von Teilnehmenden an Veranstaltungen
der politischen Bildung sei es, positive Ziele für die familiale Erziehung aufzuzeigen,
etwa die Erziehung zu Toleranz und gegenseitiger Achtung vor der Würde der anderen.
Zentrales Anliegen der politischen Bildung ist es, Möglichkeiten für gesellschaftliches
Engagement aufzuzeigen und Teilnehmende dazu zu motivieren und zu befähigen,
dass sie sich für die Verbesserung von strukturellen Rahmenbedingungen für die
Erziehung in der Familie einsetzen.
Die AKSB entwickelt zur Zeit ein Konzept für ein trägerübergreifendes Projekt,
in dem Bausteine und Materialien für die Behandlung des Themas "Erziehung
ohne Gewaltanwendung" in der politischen Bildung in unterschiedlichen Arbeitsformen
und mit unterschiedlichen Zielgruppen entwickelt, erprobt, ausgewertet und für
die weitere Verwendung in der außerschulischen politischen Jugend-, Erwachsenen-
und Familienbildung aufbereitet werden sollen. Weitere Informationen sind erhältlich
bei der AKSB-Geschäftsstelle, Heilsbachstr. 6, 53123 Bonn, Tel. (02 28) 64 50
58, E-Mail: harles@aksb.de
© 2001, Verein zur Förderung katholisch-sozialer
Bildungswerke in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (Rechtsträger der AKSB)
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