„Die Unbeugsamen": Akademieabend zur Historie von Frauen in der Politik
Die Katholische Akademie Fulda hat in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung einen Themenabend mit Filmvorführung und Diskussion am 23. Juni 2026 veranstaltet.
„Die Unbeugsamen": Akademieabend zur Historie von Frauen in der Politik mit der christlichen Grünen Christa Nickels
Christa Nickels ist gläubige Katholikin und Gründungsmitglied der nordrhein-westfälischen Grünen. Als eine der ersten Frauen im Bundestag begann sie ihre Karriere in einer Zeit, in der Politik als reine Männerdomäne galt. Was das für den Alltag von Nickels und ihren Kolleginnen bedeutete und wie sie parteiübergreifend für ihre Rechte einstanden, beleuchtet ein eindrucksvoller Film von Torsten Körner, der beim Akademieabend der Katholischen Akademie Fulda in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung gezeigt wurde. Im Anschluss an die Vorführung sprach AKSB-Geschäftsführerin Andrea Rühmann mit der Politikerin über Diskriminierung durch männliche Kollegen, ihre christlich-grüne Haltung und die Notwendigkeit des politischen Engagements von Frauen.
„Hälfte der Menschheit" muss sich in die Politik einbringen
Frauen in der Politik: Was heute Standard ist, musste hart erarbeitet werden. Dass Deutschland ab 2005 eine Bundeskanzlerin hatte, die vier Amtszeiten lang europäische Geschichte maßgeblich mitgestaltete und es zu beispielloser internationaler Anerkennung für ihre Arbeit brachte, dafür haben Frauen wie Christa Nickels den Weg geebnet. Torsten Körners Dokumentarfilm über eine Gruppe starker Politikerinnen rund um Nickels zeigt dies auf eindrückliche Weise – von der Nachkriegszeit bis nach der Wiedervereinigung.
Im Gespräch mit AKSB-Geschäftsführerin Andrea Rühmann kommentierte Nickels einzelne Szenen und erzählte von ihren persönlichen Erfahrungen als eine der ersten weiblichen Bundestagsabgeordneten: von männlichen Kollegen, die ihr respektlos begegneten, vom Zusammenhalt der Politikerinnen über Parteigrenzen hinweg, aber auch von ihrem Umgang mit der NS-Vergangenheit und ihrem Engagement gegen den Krieg.
Nickels betonte, wie wichtig es sei, dass Frauen Kirche und Politik aktiv mitgestalteten. Die „Hälfte der Menschheit" müsse sich unbedingt in die Gesellschaft einbringen, um die Demokratie vor fundamentalistischen Einflüssen zu schützen. Als Christin, die zur ersten kirchenpolitischen Sprecherin der Grünen wurde, setze sie dabei auf Dialog. Obwohl sie sich selbst immer wieder gegen Diskriminierung durch Bischöfe und Parteikollegen zur Wehr setzen musste, versuche sie, „nicht zu spalten, sondern zu einen".
Dass Christa Nickels Engagement und ihre Errungenschaften für die deutsche Politik auch nach Jahrzehnten nicht an Relevanz eingebüßt haben, zeigte sich deutlich in der Reaktion des Publikums, das mal amüsiert lachte, mal hörbar staunte und der Politikerin zum Ausklang mit einem lautstarken Applaus für einen hochinteressanten Abend dankte.
Mehr Infos zum Akademieabend finden Sie im Bericht der Osthessen-Zeitung.
Erstellt: 29. Juni 2026