DPJW-Fachtagung 2019: Rückblick

Der Jugendaustausch schlägt eine wichtige Brücken zwischen Deutschland und Polen: Die Fachtagung in Bonn widmete sich aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen in Polen und Deutschland.

Die Ergebnisse der Europawahlen am 26. Mai 2019 sowie die aktuellen Ergebnisse der Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg standen im Mittelpunkt der Fachtagung zum deutsch-polnischen Jugend- und Schulaustausch in Bonn. Sowohl Wolfgang Ehrenlechner, Geschäftsführer des Jugendhaus Düsseldorf e. V., als auch Stephan Erb, DPJW-Geschäftsführer, gingen in ihren Grußworten auf die Ergebnisse der Wahlen ein und stellten den Bezug zum deutsch-polnischen Jugend- und Schulaustausch her.

Wolfgang Ehrenlechner sagte, er sehe in einzelnen EU-Mitgliedsstaaten rechtspopulistische und nationalistische Tendenzen, die Europa als großes Friedensprojekt gefährdeten. Der deutsch-polnische Jugend- und Schulaustausch stehe hier – mit besonderem Blick auf die Entwicklung in Polen und Deutschland – vor einer großen Herausforderung und sollte mit großem Engagement noch mehr junge Menschen für den Austausch begeistern, um so diesen europafeindlichen Tendenzen entgegenzuwirken.

Stephan Erb ging in seinem Beitrag auf die Wahlergebnisse in Brandenburg und Sachsen ein und lenkte den Blick auf die Wahlen in Polen am 13. Oktober. Auch hier werde eine Bestätigung rechtspopulistischer und nationalistischer Kräfte zu erwarten sein. Der deutsch-polnische Austausch sei davon noch nicht negativ betroffen. Er ermögliche vielmehr durch seine qualitätsvollen Maßnahmen eine Gegensteuerung.

Gleich zwei Experten widmeten sich anschließend der Analyse der Wahlergebnisse. Prof. Dr. Martin Reuber von der Konrad-Adenauer-Stiftung hob in seinem Beitrag auf die erheblich gestiegene Wahlbeteiligung bei der Europawahl ab, die jedoch nicht in jedem Mitgliedsland gleich ausfiel. Aus seiner Sicht habe Europa nicht grün gewählt, auch ein rechtspopulistischer Umsturz habe sich nicht vollzogen. Festzustellen sei vielmehr, dass die etablierten Parteien ihre Mehrheiten verloren haben. In Deutschland habe sich dies bei den Landtagswahlen wieder leicht korrigieren lassen.

Ausgehend von einer genauen Definition von Rechtspopulismus und Nationalismus warf Bartosz Dudek, Leiter der Polen-Redaktion der Deutschen Welle, einen kritischen Blick auf die aktuellen rechtspopulistischen und nationalistischen staatlichen Kräfte in Polen, die zunehmend die Freiheit der Bevölkerung mit ihren Entscheidungen einschränken würden. Er gab auch eine Prognose für die Zukunft: „Wir Polen sind ein freiheitsliebendes Volk“, daher sei er der festen Überzeugung, dass die Bevölkerung die zunehmende Einschränkung ihrer Freiheit langfristig nicht hinnehmen werde.
Staatliche Kräfte versuchten zudem, ein feindliches Bild von Deutschland und Europa zu zeichnen. Dieses Bild entspreche jedoch nicht dem tatsächlichen Empfinden der gesamten polnischen Bevölkerung, die mehrheitlich gegenüber Europa und Deutschland positiv eingestellt seien. Er ermunterte daher die anwesenden Träger des deutsch-polnischen Jugend- und Schulaustausches, ihre wertvolle Austausch-Arbeit unbeeindruckt von staatlichen Verlautbarungen in Polen fortzusetzen.

Einen weiteren aktuellen Einblick in den Zustand der polnischen Gesellschaft bot am Abend der Film „Die Maske“ der polnischen Regisseurin Małgorzata Szumowska.

In weiteren Programmpunkten befassten sich die Teilnehmenden mit Förderfragen sowie den Rahmenbedingungen für eine gelingende Internationale Jugendbegegnung. Über aktuelle Entwicklungen in den Förderbereichen berichteten DPJW-Geschäftsführer Stephan Erb und Jaroslaw Brodowski, Referatsleiter beim DPJW. Beide konnten eine beeindruckende Zahl vorstellen: Drei Millionen Deutsche und Polen haben mittlerweile an Jugendaustauschprojekten teilgenommen, die vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk gefördert wurden.

Organisiert und durchgeführt hatte die Tagung in diesem Jahr federführend die AKSB in Kooperation mit dem Jugendhaus Düsseldorf e. V. unter Mitwirkung der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj). AKSB-Geschäftsführer Dr. Karl Weber dankte zum Schluss der Veranstaltung den Vertretern des DPJW für die professionelle Zusammenarbeit und Information in der Vergangenheit. Gleichzeitig betonte er die Bedeutung des deutsch-polnischen Jugend- und Schulaustausches in einer Zeit, in der das geeinte Europa zunehmend von rechtspopulistischen und nationalistischen Kräften unterwandert werde. Er ermunterte die anwesenden Träger, ihre engagierte Bildungsarbeit unbeirrt fortzusetzen.

Markus Schuck

Referent für politische Bildung

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Claudia Krupp

Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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