Rückblick: Fachkonferenz Interreligiöse/Interkulturelle Bildung

v. l. n. r.: Dr. Karl Weber (Geschäftsführer AKSB), Prof. Dr. Joachim Valentin (Direktor Katholische Akademie Rabanus Maurus, Vorsitzender Rat der Religionen), Frau Prof. Dr. Regina Polak (Professorin am Institut für Praktische Theologie an der Universität Wien), Elisabeth Vanderheiden (Bundesvorsitzende KEB) Bild: Andrea Keller/AKSB

Religiös = intolerant? Die Rolle von Religion in der Gesellschaft – Selbstverortung und Fremdwahrnehmung

Polarisierung entsteht nicht nur in der Politik, sondern auch innerhalb von Religionsgemeinschaften. Dies erschwert die Verortung von Religion in der Gesellschaft und ein entschiedenes Eintreten gegen Fundamentalismus und Extremismus. Welche Herausforderungen ergeben sich daraus für die Bildungsarbeit?

Religionen sind ambivalent. Sie können sowohl zu einem friedlichen Miteinander der Menschen beitragen als auch die Entstehung von menschenverachtenden Einstellungen begünstigen. Welche Bildungsarbeit ist notwendig, um fundamentalistischen und extremistischen Haltungen entgegenzuwirken? In einer Veranstaltung im Rahmen des AKSB-Projektes „Religionssensible politische Bildungsarbeit“ am 18. September 2019 im Haus am Dom in Frankfurt am Main wurde versucht, Antworten auf diese Frage zu finden.

Die Trennlinie zwischen Befürwortung und Ablehnung von Pluralität verläuft nicht zwischen Religionen oder zwischen Religion und Politik. Sie verläuft mitten durch die Gesellschaft und auch innerhalb von Religionsgemeinschaften, stellte Frau Prof. Dr. Regina Polak von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien fest. Dadurch entsteht eine Polarisierung, bei der auf der einen Seite Liberale stehen und sich auf der anderen Seite Allianzen zwischen illiberalen politischen und religiösen Akteur/-innen bilden. Dies zeige sich an vielen aktuellen Konflikten wie etwa bei der Aufnahme muslimischer Geflüchteter, legte Frau Dr. Anja Hennig, Politikwissenschaftlerin an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder, dar. Einerseits sind es historische und soziologische Faktoren, die die politische Einstellung grundlegend beeinflussen und nicht in erster Linie die Religionen an sich. Andererseits müssen sich religiöse Institutionen kritisch hinterfragen, welche ihrer Strukturen und Inhalte intolerante Haltungen fördern.

Diese Hintergründe sind in der religionssensiblen politischen Bildung zu berücksichtigen. Gilt es doch, aktuelle gesellschaftliche Konflikte aufzugreifen und Orientierung zu bieten, gerade wenn die Konflikte auch eine scheinbare oder tatsächliche religiöse Dimension haben. Wie sich dies erfolgreich umsetzen lässt, zeigte sich bei der Vorstellung von drei Bildungsprojekten: die Multiplikator/-innenschulung des Frankfurter Rates der Religionen, das Projekt „Respekt für Religion – Gemeinsam für kulturelle und religiöse Vielfalt in Sachsen-Anhalt“ und das Projekt „Religionssensible politische Bildungsarbeit“. Die Teilnehmenden stimmten darin überein, polarisierende Themen aus dem Bereich Religion und Politik verstärkt in der politischen Bildung, im interreligiösen Dialog wie auch innerhalb der eigenen Religionsgemeinschaft zu diskutieren. Es sei notwendig, konfliktgeladene Themen in einer konstruktiven Weise aufzugreifen, um Hass und Extremismus etwas entgegenzusetzen.

Wer junge Menschen darin fördern möchte, eine eigenständige kritische Haltung zu entwickeln, darf nicht davor zurückschrecken, sich selbst zu hinterfragen. Aber es geht auch darum, einen konstruktiven Umgang mit gesellschaftlichen Herausforderungen zu entwickeln, Menschen in den Austausch zu bringen, ein gegenseitiges Verständnis zu fördern und sie darin zu unterstützen, ihre Ressourcen zu entdecken und zu nutzen. So kann in einer pluralen Gesellschaft Polarisierung und Extremismus entgegengewirkt werden.

Die Veranstaltung wurde durchgeführt vom Leiterkreis der katholischen Akademien, der Katholischen Erwachsenenbildung Deutschland – Bundesarbeitsgemeinschaft e.V. (KEB) und der Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke in der Bundesrepublik Deutschland (AKSB). Gefördert wurde sie vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Dr. Andrea Keller

Projektkoordinatorin Projekt "Religionssensible politische Bildungsarbeit"

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