Aus Erfahrung gut?!

Politische Bildung und digitale Medienkompetenz für Beschäftigte des sozialen Bereichs

Digitalität und soziale Realität

Die vergangenen Jahre der Pandemie haben einmal mehr gezeigt, mit welchen personellen und finanziellen Defiziten viele Einrichtungen des sozialen Bereichs seit Jahren kämpfen. Ebenso deutlich wurde, dass hinsichtlich des Ausbaus digitaler Infrastruktur und der Teilhabe aller am digitalisierten Alltag seitens der Politik dringender Handlungsbedarf besteht. Ein großer Teil des kulturellen Ausdrucks, der Identitätsfindung und der sozialen Interaktion findet heute online statt. Selbst wer persönlich nicht in sozialen Netzwerken aktiv ist, wird im Alltag mit Phänomenen der digitalen Welt konfrontiert. Die Pandemie und die weitgreifenden politischen Maßnahmen zu ihrer Eindämmung verlangten der Bevölkerung im Allgemeinen ein hohes Maß an Vertrauen in Politik, Wissenschaft und Medien ab und befeuerten parallel die Entstehung und Verbreitung von Fake News und Verschwöhrungstheorien. Mit dem Krieg in der Ukraine und seinen wirtschaftlichen Folgen wird die Resilienz des Einzelnen sowie der gesellschaftliche Zusammenhalt aktuell erneut auf eine harte Probe gestellt.

Chancen und Risiken im Netz

Im Netz ist jede Meinung vertreten und Gleichgesinnte sind leicht auffindbar. Dies eröffnet Chancen für Individuen und Gesellschaft, die zum demokratischen Selbstverständnis eines großen Teils der Netzkultur beigetragen haben. Auch dem sozialen Bereich und seinen Beschäftigten eröffnet das Internet Möglichkeiten der Selbstdarstellung und Selbstermächtigung, der Organisation und Kooperation.

Die Anonymität online und die Möglichkeit grenzenloser Kommunikation bergen aber auch Risiken: Der Austausch mit Gleichgesinnten befördert nicht nur Identifikation und (Selbst-) Bestätigung, sondern auch Ausgrenzung, Diffamierung und Herabwürdigung anderer. Bewusst oder unbewusst bediente Narrative, die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Hate Speech befördern, finden hier weitgehend unkontrolliert Verbreitung, tragen zu Polarisierung und Radikalisierung bei und beeinflussen das soziale Miteinander in der analogen Welt. Für die Berufsgruppen des sozialen Sektors ergeben sich hier neue, potenziell belastende Situationen in einem ohnehin herausfordernden Arbeitsalltag.

Prävention und Intervention: Fake News und Hate Speech

Im Rahmen von Workshops werden Teilnehmende aus dem sozialen Bereich geschult, um sich im Anschluss als Multiplikator*Innen zu vernetzen, gegenseitig zu bestärken und ihre Kompetenzen weiterzutragen. Neben der Vermittlung des nötigen Expertenwissens setzen die Workshops auf die praktische Erprobung unter Einbeziehung digitaler Möglichkeiten.

Folgende Workshopinhalte sind vorgesehen, um eine verantwortungsvolle Mediennutzung und zivilcouragiertes Handeln zu fördern:

  1. Die Würde des Menschen online – Grundrechte und strafrechtliche Fragen
  2. Fakt oder Fake ? – Medienkompetenz und journalistische Standards
  3. Kognition und Suggestion – Monetarisierung und Radikalisierung
  4. Bots, Trolle, (un)erreichbare Menschen – Verantwortungsvolle Intervention

Die Teilnehmenden erhalten einen Überblick über verfassungsrechtliche und strafrechtliche Grundlagen und erhalten Tipps für eine verantwortungsvolle Mediennutzung. (1). Sie setzen sich praktisch mit der Multimedialität von Onlineinhalten und ihrer Analyse auseinander, testen ihr Wissen in Bezug auf journalistische Standards und erproben verschiedenen Möglichkeiten ihrer Überprüfung (2). Die Teilnehmenden reflektieren ihre eigenen Erfahrungen, Werte und Erwartungen und erlangen Kenntnisse über relevante kognitionspsychologische Aspekte, die ihnen ihre eigenen (unbewussten) Motive sowie die Beweggründe anderer erklärbar machen und ihnen helfen ihr eigenes Urteilen und Handeln sowie das anderer zu hinterfragen (3). Sie gewinnen einen Überblick über verschiedene problematische Akteure und deren Auftreten in der virtuellen Welt und lernen verschiedene ihrem Gegenüber sowie der Situation angemessene Interventionsstrategien kennen und erproben diese im Rollenspiel (4).

 


 

Anna Brandstätter

Projektleitung „Aus Erfahrung gut?! Politische Bildung und Medienbildung nach Corona“

0661 8398-119
anna.brandstaetter@bistum-fulda.de